Marokko: Auf der Straße der Kasbahs

Dort, wo die Sanddünen der Sahara das nordafrikanische Königreich Marokko berühren, trotzen gewaltige Lehmburgen der harschen Natur. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht liegen die blühenden Oasen der Berber: Die berühmte Straße der Kasbahs.

Marokko KarawaneFarben und Formen fügen sich zu faszinierenden Landschaften. Auf der einen Seite der Hohe Atlas mit seinem unruhigen Relief der Drei- und Viertausender, auf der anderen Seite die Berge des Djebel Saghro. Schon ab dem Spätherbst zeichnen sich die schneeweißen Kammlinien gegen den tiefblauen Himmel ab. Parallel zu den rot-violetten Bergketten liegt das Hochtal der Zwillingsflüsse Todra und Dadès. Dort laden fruchtbare Oasen mit ihren imposanten Berber-Palästen zum Verweilen ein. Die trutzigen Kasbahs sehen aus wie riesige Sandburgen. Ihre hohen Türme fesseln den Blick, glühend im Abendrot über silbrig glänzenden Flussläufen.

Ausgangspunkt der Route ist Ouarzazate. Zwei großartige Paläste sind dort zu bewundern: Die Lehmburg von Taourirt diente einst dem Pascha al-Glaoui als Residenz. Die zweite Kasbah, die des Pascha Ait Ben Haddou, liegt 30 Kilometer außerhalb der Stadt inmitten blühender Mandelbäume. Als Kulisse für den Film “Lawrence von Arabien” wurde das imposante Gebäude berühmt. Wegen seines einzigartigen Charakters wurde es von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Weiter geht die Fahrt ins Draa-Tal. Hier triumphiert die Vegetation über die Wüste. Farbenfrohe Impressionen entlang des Flusses: Dattelpalmen voll gelber Früchte, blühende Lorbeerbäume, ockerfarbene Gehöfte – alles fügt sich zu einer idyllischen Morgenland-Fantasie zusammen. So unklar wie die Herkunft des Berbervolkes ist auch die Entstehung ihrer Baukunst. Auffällig sind die Ähnlichkeiten mit Lehmgebäuden im Jemen.

Die Kasbahs boten den Berbern Schutz vor Überfällen feindlicher Clans und Beutezügen der Nomadenstämme. Das Heim vergrößerte sich jeweils mit dem Anwachsen der Familie. Durch immer neue Anbauten von Türmen, Höfen und Mauern wuchsen die Lehmbehausungen langsam zu Festungen. Mehrere Hundert Menschen hatten darin Platz. Heute sind viele dieser Wohnburgen verlassen. Grund: Die Landflucht der Bevölkerung. Damit sind Kasbahs dem Verfall preisgegeben. Ohne Restaurierung werden diese großartigen Zeugnisse der Vergangenheit wieder zu Staub zerfallen.

Ziel des Ausfluges ist die Wüste von Merzouga. Sonne, Wind und Sand vereinen sich hier und schaffen Unendlichkeit. Erbarmungslose Strahlen, kaum Luft zum Atmen, nirgendwo Schatten. Die Dünen sind so hoch wie Minarette. Doch selbst in dieser abweisenden Umgebung gibt es Leben. Nachts werden Wüstenfüchse und Uhus aktiv und machen sich auf die stille Jagd.

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